Im April 1946 übernahm unser Ehrenmitglied Willi Müller die Handballabteilung und der Spielbetrieb blühte wieder auf. Zu der Ersten Mannschaft kam eine Zweite, eine Jugend- und sogar erstmalig eine Damenmannschaft. Sie hatte aber aus Mangel an Spielerinnen nur ein Jahr Bestand.

Auf Bitten konnte dann Ende 1946 der alte, traditionsreiche Name „Turnverein 1885 Lorsbach im Taunus e.V.“ wieder geführt werden.

Die Festschrift von 1985 beschreibt die Jahre nach dem Krieg wie folgt:

„Es war wohl das tiefste Tal, das unser Jubiläumsverein in seiner hundertjährigen Geschichte zu durchqueren hatte. Ringsherum alles zerstört und in Trümmern, die Menschen deprimiert und enttäuscht, die sinnlosen Verluste von Angehörigen und Freunden und die bange Frage nach der Zukunft. Als wir unsere Turnhalle nach dem Auszug des Rüstungsbetriebes wieder in Besitz nehmen konnten, erwartete uns ein trauriges Bild der Verheerung: Der Fußboden war durch die aufgestellten Maschinen schwer beschädigt worden, tiefe Löcher in den Wänden, die Fenster zerbrochen, die Toiletten beschädigt, überall Mörtel, Abfälle, Unrat …“

Wie schon so oft in der Vereinsgeschichte begann wieder ein Aufbau aus dem Nichts, denn es gab nichts zu kaufen. Nur der Schwarzmarkt blühte. Nach und nach wurden die Schäden in Selbsthilfe und unter persönlichem Einsatz beseitigt und vieles instandgesetzt.

Von einer weiteren Begebenheit in dieser Zeit wird folgendes berichtet:

„Als wir sonntags in die Halle zu den Übungsstunden an den Geräten kamen, trauten wir unseren Augen nicht: Ein Dieb war in der Nacht eingebrochen und hatte unser Pferd enthäutet! Durch die ruinierten Türen hatte er leicht eindringen können. Für ein Stück Leder hatte er einen Einbruch verübt und eine Strafe riskiert. Das zeigt, wie arm die Menschen damals waren. Vielleicht hat der Dieb seine durchgelaufenen Schuhe mit dem Leder des Pferdes neu besohlt. Es dauerte lange, bis das Pferd wieder eine Lederhaut hatte, dann aber auch diebstahlsicher aufbewahrt wurde.“